
Was ziehen wir für Familienfotos an?
- Juliane Fieber
- 11. März
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. März
„Auf keinen Fall Poloshirts.“
Eine der häufigsten Fragen vor einem Familienfotoshooting lautet:
„Was sollen wir eigentlich anziehen?“
Die gute Nachricht:
Für schöne Familienfotos braucht es keine perfekt abgestimmten Outfits und auch keine komplett neue Garderobe.
Im Gegenteil – einfache Kleidung wirkt oft am schönsten.
Bei einem Familienfotoshooting hier in Marburg oder draußen in der Natur sollen schließlich nicht die Outfits im Mittelpunkt stehen, sondern die Menschen.
Damit eure Familienfotos natürlich und zeitlos wirken, helfen ein paar einfache Regeln.
Ruhige Farben funktionieren immer

Farben beeinflussen stark, wie ruhig ein Bild wirkt.
Für Familienfotos draußen funktionieren meist besonders gut:
Grau
Creme
Naturtöne
gedeckte Grüntöne
warme Erdtöne
Diese Farben wirken harmonisch und lassen Gesichter und Emotionen stärker wirken.
Sehr grelle Farben oder große Logos ziehen dagegen schnell Aufmerksamkeit auf sich.
Und eigentlich möchte niemand, dass das T-Shirt mehr Aufmerksamkeit bekommt als das eigene Kind.
Bitte nicht alle gleich anziehen

Früher war das bei Familienfotos manchmal so:
Alle tragen weiße Hemden und Jeans.
Das Ergebnis sieht dann ein bisschen aus wie eine sehr gut organisierte Vereinsversammlung.
Heute wirkt es meist schöner, wenn Kleidung zusammenpasst, aber nicht identisch ist.
Zum Beispiel:
ähnliche Farbfamilien
unterschiedliche Stoffe
leichte Variationen
Das wirkt lebendiger und natürlicher.
Outdoor-Fotos: Vorsicht mit Blau

Bei Familienfotos draußen verzichte am Besten auf kräftiges Blau.
Der Grund ist ganz einfach:
Draußen gibt es ohnehin schon viel Blau:
Himmel • Schatten • Jeans
Wenn dann noch mehrere blaue Kleidungsstücke dazukommen, kann das Bild schnell sehr kalt und unruhig wirken.
Indoor oder zuhause: Blau kann hier sehr schön sein

Bei Familienfotos zuhause oder Indoor-Shootings sieht das anders aus.
Hier kann Blau sogar sehr schön funktionieren – besonders in ruhigen, gedeckten Tönen.
Zum Beispiel:
dunkles Blau • jeansblau • graublau
Diese Farben wirken drinnen oft ruhig und zeitlos.
Warum weiße T-Shirts und Jeans im Studio so gut funktionieren
Die Kombination aus weißem T-Shirt und Jeans sieht man auf Fotos sehr häufig. Und das hat einen einfachen Grund: In klassischen Fotostudios funktioniert sie tatsächlich ziemlich gut.
Bei einem Studioaufbau mit weißem Hintergrund entsteht damit ein sehr klares, ruhiges Bild. Die Kleidung tritt optisch etwas zurück, und der Fokus liegt stark auf den Gesichtern. Viele kennen genau solche Fotos aus Studios – und sie sehen später auch oft sehr schön aus, wenn man sie groß zu Hause aufhängt.
Außerdem begegnet uns dieser Bildstil ständig. In Werbung, Magazinen oder auf Verpackungen sieht man immer wieder Menschen in weißen T-Shirts und Jeans vor hellem Hintergrund. Dadurch prägt sich dieser Look ein – unser Auge hat sich daran gewöhnt, ihn als angenehm und „richtig“ zu empfinden.
Und genau deshalb greifen viele automatisch zu dieser Kombination, wenn Fotos anstehen.
Für Studioaufnahmen passt das auch sehr gut. Dort ist das gesamte Bild genau auf diese klare, reduzierte Wirkung ausgerichtet.
„Ah stimmt, darüber wollten wir ja noch sprechen.“:
P O L O S H I R T S

Poloshirts haben im Alltag etwas sehr Verlässliches an sich.
Sie sehen nett und adrett aus, ein bisschen geschniegelt, ordentlich gebügelt – genau das, was man anzieht, wenn man „für einen Anlass“ gut aussehen möchte.
Auf Fotos passiert dann aber manchmal etwas Überraschendes.
Das ganze Bild wirkt plötzlich ein wenig förmlicher, als man es eigentlich geplant hatte. Aus einem entspannten Familienmoment wird schnell etwas, das eher nach „jetzt stellen wir uns mal ordentlich hin“ aussieht.
Und genau deshalb sind Poloshirts für lockere Familienfotos meistens nicht die erste Wahl.
Kinder sollten sich bewegen können
Kinder fühlen sich am wohlsten, wenn Kleidung:
bequem ist
nicht kratzt
Bewegungsfreiheit lässt
Das klingt banal, macht aber einen großen Unterschied.
Kinder, die sich wohlfühlen, bewegen sich natürlicher – und genau daraus entstehen die schönsten Kinderporträts und Familienfotos.
Oder anders gesagt:
Ein Kind, das ständig am Kragen zieht, wird selten entspannt aussehen.
Auch der Stoff der Kleidung spielt eine Rolle
Beim Thema Kleidung denken viele zuerst an die Farbe.
Der Stoff selbst macht aber ebenfalls einen Unterschied.
Kleidung aus natürlichen Materialien wirkt auf Fotos oft ruhiger und angenehmer. Dazu gehören zum Beispiel:
Baumwolle
Leinen
Strick
weich fallende Stoffe
Sie fühlen sich meist schon beim Anziehen natürlicher an und wirken auf Bildern oft genauso.
Sehr glatte oder stark synthetische Stoffe – etwa manche Polyesterteile – können dagegen manchmal etwas steifer wirken oder anders fallen als erwartet.
Das heißt natürlich nicht, dass bestimmte Materialien grundsätzlich nicht funktionieren.
Eine einfache Orientierung hilft aber oft:
Wenn sich Kleidung angenehm und natürlich anfühlt, wirkt sie meistens auch auf Fotos genauso.
Und im Zweifel gilt sowieso:
Ein Lieblingsstück, in dem man sich wohlfühlt, ist fast immer die bessere Wahl als ein Outfit, das nur für Fotos gedacht ist.
Der Klassiker: alle tragen Jeans
Jeans sind natürlich völlig okay.
Wenn allerdings alle Familienmitglieder Jeans tragen, entsteht schnell eine große blaue Fläche im Bild.
Und plötzlich sieht das Foto ein bisschen aus wie eine Jeans-Werbung aus den 90ern.
Eine Mischung wirkt oft schöner:
Jeans kombiniert mit Stoffhose
Kleid
Rock
oder Strickhose für Kinder.
Partner-Outfits – bitte nicht zu perfekt

Manchmal kommen Paare sehr liebevoll abgestimmt zum Shooting:
gleiches Hemd, gleiche Farben, gleiche Schuhe.
Das ist süß – wirkt auf Fotos aber schnell etwas gestellt.
Viel natürlicher wirkt es, wenn Kleidung zusammenpasst, aber nicht identisch ist.
Muster, Logos und große Aufdrucke

Große Logos oder auffällige Prints ziehen auf Fotos sehr schnell Aufmerksamkeit auf sich.
Ein kleines Detail ist kein Problem – aber große Aufdrucke wirken oft unruhig.
Schlichte Kleidung bleibt dagegen auch in vielen Jahren noch zeitlos.
Der alte Schal-Trick – warum er bei Fotoshootings meistens nicht funktioniert

Manchmal bringt jemand zum Fotoshooting vorsichtshalber noch einen Schal oder ein Halstuch mit.
Die Idee dahinter ist oft dieselbe:
Der Schal soll den Hals etwas verdecken.
Dieser Gedanke kommt nicht von ungefähr. Über viele Jahre wurde genau das in Mode- und Lifestylemagazinen empfohlen. Accessoires wie Schals galten als kleine Tricks, um bestimmte Bereiche „geschickter unsichtbar zu machen“. Solche Tipps wurden so häufig wiederholt, dass sie sich irgendwann wie feste Regeln angefühlt haben.
Viele Menschen haben diese Regeln bis heute im Kopf.
Dabei braucht es sie in der heutigen Fotografie gar nicht mehr.
Gerade bei natürlichen Familienfotos oder Porträts funktioniert Kleidung am schönsten, wenn sie ruhig und unkompliziert bleibt. Ein offener Hals, klare Linien und einfache Stoffe lassen Gesichter viel stärker wirken als zusätzliche Accessoires, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Und vielleicht ist genau das auch das Schöne an unserer heutigen Zeit:
Man muss sich nicht mehr an jede alte Stylingregel halten, die irgendwann einmal verbreitet wurde.
Fotos dürfen heute freier sein – weniger inszeniert, weniger darauf bedacht, etwas zu verstecken, und mehr darauf, Menschen so zu zeigen, wie sie wirklich sind.
Deshalb muss niemand überlegen, welcher Schal zum Fotoshooting passt.
In den meisten Fällen funktioniert es ohne einfach besser.
Und ganz ehrlich:
Der Schal kann an diesem Tag einfach mal zu Hause bleiben und sich ausruhen.
Stylinghilfe für euer Familienfotoshooting
Viele Familien wollen vor einem Familienfotoshooting wissen, welche Kleidung gut zusammenpasst.
Nach der Buchung erhalten Familien bei mir deshalb immer einen Stylingguide mit Beispielen für Farben, Kombinationen und Stoffe, der speziell für Familienfotos zusammengestellt ist.
Der Guide hilft zum Beispiel bei Fragen wie:
Welche Farben wirken auf Fotos harmonisch?
Was können Kinder gut tragen?
Welche Kleidung funktioniert draußen besonders gut?
Welche Farben passen bei Fotos zuhause?
Gerade bei einem Familienfotoshooting reichen oft schon zwei oder drei ruhige Farbtöne, damit alles im Bild stimmig wirkt.
Und keine Sorge:
Es geht nicht darum, perfekt gestylt zu sein.
Die schönsten Familienfotos entstehen fast immer dann, wenn Kleidung einfach, bequem und natürlich bleibt.
Ein kleiner Gedanke zum Schluss
Bei vollständig dokumentarischer Familienfotografie spielt Kleidung oft kaum eine Rolle. Die Bilder zeigen den Alltag genau so, wie er ist – mit den Pullovern, T-Shirts oder Schlafanzügen, die an diesem Tag gerade getragen werden.
Ich persönlich mag diese Art zu fotografieren sehr. Menschen wirklich im Alltag zu begleiten und diese kleinen, echten Momente festzuhalten, hat eine besondere Qualität.
Meine eigene Arbeit bewegt sich eher dazwischen. Die Bilder entstehen aus echten Situationen, aber Licht, Stimmung und Bildaufbau spielen eine wichtige Rolle. Dadurch entsteht oft eine eher cineastische Atmosphäre.
Und genau deshalb kann Kleidung im Bild plötzlich sichtbarer werden – nicht als Hauptsache, sondern als Teil der Stimmung.
Juliane
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