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Die Richtung des Lichts sehen lernen

  • Juliane Fieber
  • 9. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Mein Name ist Juliane Fieber. Ich bin Familienfotografin in Marburg und beschäftige mich seit vielen Jahren mit Licht, Momenten und der Frage, warum manche Bilder berühren und andere nicht.

In diesem Kurs möchte ich Fotografie Schritt für Schritt erklären – einfach, verständlich und mit kleinen Übungen, die man direkt ausprobieren kann.


Teil 3 – Warum die Richtung des Lichts alles verändert


Im letzten Teil ging es darum, wie die Kamera Helligkeit bewertet.

Jetzt gehen wir einen Schritt weiter.

Denn selbst wenn die Belichtung stimmt,kann ein Bild völlig unterschiedlich wirken.

Nicht wegen des Motivs.Sondern wegen der Richtung des Lichts.


Was du bisher gesehen hast


Wenn du die letzten Übungen gemacht hast, weißt du bereits:

Licht ist nicht überall gleich.

Am Fenster weich oder hart. Je nachdem ob die Sonne scheint, Wolken da sind oder

auch eine Gardine vor dem Fenster hängt.

Weiter hinten im Raum gleichmäßiger aber nicht mehr so strahlend.

Und du hast gesehen,dass sich dadurch die Wirkung eines Bildes verändert.

Jetzt kommt ein weiterer Unterschied dazu.


Die Richtung des Lichts


Licht kommt immer aus einer Richtung.

Auch wenn wir das im Alltag oft nicht bewusst wahrnehmen.

Es kann: – von vorne kommen– von der Seite– von hinten– von oben oder unten - oben links - oben rechts - verschiedene Höhen, Winkel .....

Und genau das verändert alles.


Vorbereitung für die Übung

Nimm dir einen einfachen Gegenstand.

Zum Beispiel:

– eine Tasse

– ein Buch

– ein Spielzeug

Oder einen sehr geduldigen Menschen.

Stelle diesen, ihn, sie in die Nähe eines Fensters.

Wichtig: Der Gegenstand/der geduldige Mensch bleibt immer am gleichen Platz.

Du veränderst nur deine Position.


Übung 1 – Licht von vorne


Stell dich so hin, dass das Licht genau hinter dir ist.

Alles ist nun gleichmäßig hell, es gibt kaum Schatten

und der Gegenstand hat dadurch wenig Tiefe

Das Bild wirkt ruhig. Aber oft auch flach. Um Gesichter schön auszuleuchten, genau das richtige.


Übung 2 – Licht von der Seite


Geh einen Schritt zur Seite. Und sieh dir den Gegenstand wieder an.

Das Licht fällt jetzt seitlich von dir auf den Gegenstand. Und Du kannst auch Bereiche sehen, an die das Licht nicht kommt.

Beobachte: Schatten entstehen, die Kanten werden sichtbar, der Gegenstand bekommt Tiefe

Hier sieht man deutlich, wie Licht Form entstehen lässt.

Das ist in der Fotografie wichtig, da ein Ausdruck eines Bidles flach ist und wir versuchen Räumlichkeit entstehen zu lassen.


Übung 3 – Licht von hinten

Stell dich so,dass das Licht nun hinter dem Gegenstand ist.

Beobachte:– der Hintergrund wird sehr hell– der Gegenstand wird dunkler– Details gehen im Motiv schneller verloren

Die Kamera orientiert sich stark am hellen Bereich.Sie versucht, daraus eine mittlere Helligkeit zu machen.

Dadurch wird das eigentliche Motiv zu dunkel.

Wenn du es wieder erkennbar machen willst, musst du bewusst heller einstellen.

Die Kamera würde es von sich aus dunkler halten. Du greifst ein und verschiebst die Entscheidung. Zu dem Thema findest Du zur Vertiefung alles noch mal hier: "Belichtung verstehen lernen"


Übung 4 – Licht von sehr weit oben


Das Licht kommt von oben.

Stelle Deinen Gegenstand einfach auf den Boden, so dass das Fensterlicht nun von weiter oben kommt. Oder nutze eine starke Taschenlampe.

Wenn du nun das Glück hast einen geduldigen Menschen zu haben, siehst du nun, warum man mittags nicht in der vollen Sonne fotografieren sollte. Die Augenhöhlen werden dunkler und sollte man über weniger Haare verfügen wird dieser Bereich prominent.


Übrigens stimmt es nicht ganz dass man mit Sonne keine Bilder machen sollte.

Es geht um die Mittagszeit. Das geht aber auch, wenn man die Sonne ausblenden kann, etwa in der Stadt, oder auch überall sonst wo man die Sonne blockieren kann.

Aber im freien Feld ist das eher schwierig.

Abends steht die Sonne niedriger, was für schönere Beleuchtung sorgt, im Studio arbeite ich auch oft mit hartem Licht, aber eben so, dass es nicht von zu weit oben kommt. Das ist mehr editorial und geht mehr Richtung Magazin.

Und wenn Du zum Beispiel abends wenn die Sonne niedrig steht mal mit den Kindern oder Freunden draussen bist und sie nicht unbedingt in die Kamera sehen, dann mach da mal Bilder und schau dass die Sonne aus verschiedenen Richtungen kommt.

Wenn Dein Kind mit Sand schmeisst und Du nimmst den Staub im strahlenden, tiefen Gegenlicht auf, das ist einfach nur schön und so dreidimensional, dass du das Gefühl hast, du kannst den Sand fühlen und den Geruch wahrnehmen, den aufgewühlter Staub macht. Sei mutig. Denn genau das ist es, was später das Ansehen der Bilder so schön macht, dass man mit allen Sinnen zurückdenken kann.


Übung 5 – Licht von unten (Geisterlicht)


Nimm die Taschenlampe und richte diese von unten auf Dein Gesicht.

Willkommen im Gruselland. Wenn Du das nicht vor hast, dann vermeide Licht von unten auf Gesichter. Dieser Effekt kann übrigens auch eintreten, wenn Du einen Reflektor unterhalb setzt, du musst einfach nur darauf achten, dass das Licht von unten nie stärker ist, als das restliche Licht. Reflektoren sind super um Augenschatten aufzuhellen, aber niemand auf dieser Welt, möchte dass das Kinn besser ausgeleuchtet ist, als sein Gesicht. Das kann aber auch passieren, wenn helle Steine oder der Fussboden plötzlich reflektieren.


Warum das bei liegenden Babys schwierig ist


Jetzt wird es für alle spannend, die nach einem Babyfotografen suchen, denn hier zeigt sich, ob es ein Gespür für gute Lichtsetzung gibt.

Achte einfach darauf wie viel Geisterlicht du erkennen kannst im Portfolio.

Es ist tatsächlich nicht einfach einen Blitz, das Fensterlicht so zu setzen, dass das Licht in der liegenden Position eines Neugeborenen, bzw. in den speziellen Posen oder auf dem Arm liegend das Gesicht genau so trifft, dass man diesen Effekt des Geisterlichts nicht hat. Darum tüddeln alle Babyfotografen so lange an Eurer Haltung herum um genau das zu vermeiden, denn wenn Du gut beleuchtet bist, aber dein Baby in einem ungünstigen Winkel zum Blitz liegt, weil es ja logischerweise den Kopf noch nicht heben kann, bist du der Support. Sonst hat man wieder Geisterlicht. Das stört nicht viele, aber wenn man es einmal gesehen hat, dann schon. ;) Das ist Milimeterarbeit.


Was du daraus mitnehmen kannst


Die Richtung des Lichts entscheidet:

Wie Schatten entstehen um das Bild aus der 2. in die 3. Dimension zu holen.

Wie man Gesichter vorteilhaft ausleuchten kann. Worauf der Blick fällt. Genetisch bedingt immer auf die hellsten Stellen.

Und dass oft ein kleiner Schritt reicht , um genau das zu verändern.


Zeit für die Übung


Nimm dir wieder ein paar Tage Zeit.

Arbeite mit einem einfachen Gegenstand, auch zu verschiedenen Tageszeiten . Oder achte bewusst auf Licht im Alltag.

Du wirst merken,dass du beginnst, Unterschiede zu sehen.

Und genau da verändert sich dein Blick.


Im nächsten Teil von Julianes Fotografie-Kurs


Im nächsten Artikel „Warum Hintergründe dein Bild verändern“ geht es darum, welchen Einfluss der Hintergrund auf die Wirkung eines Bildes hat.

Denn nicht nur Licht und Belichtung spielen eine Rolle, sondern auch das, was hinter dem Motiv liegt.

Oft entscheidet der Hintergrund darüber,ob ein Bild ruhig wirkt oder unübersichtlich.

Wenn man beginnt, darauf zu achten,verändert sich der Blick auf das gesamte Bild.


Julianes Fotografie-Kurs


Teil 3 – Warum die Richtung des Lichts alles verändert


Neue Artikel über Fotografie, Licht, Bildgestaltung und Einblicke in meine Arbeit teile ich regelmäßig im Blog und auch in meinem WhatsApp-Kanal. Wenn du nichts verpassen möchtest, kannst du dort gerne mitlesen.


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