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Belichtung verstehen lernen

  • Juliane Fieber
  • 19. März
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Apr.


Mein Name ist Juliane Fieber. Ich arbeite als Familienfotografin in Marburg und beschäftige mich seit vielen Jahren mit Licht, Momenten und der Frage, warum manche Bilder berühren und andere nicht.

In diesem Kurs möchte ich Fotografie Schritt für Schritt erklären – einfach, verständlich und mit kleinen Übungen, die man direkt ausprobieren kann.


Teil 2 - Warum Kameras manchmal falsch belichten


Im ersten Teil ging es darum, Licht zu sehen.

Nun bauen wir drauf auf:

Wie die Kamera dieses Licht bewertet.

Denn auch, wenn wir eine Szene als hell oder dunkel wahrnehmen, kann die Kamera zu einem anderen Ergebnis kommen.


Was du im ersten Teil gesehen hast


Wenn du die Übungen gemacht hast, ist dir wahrscheinlich aufgefallen:

Das gleiche Motiv kann sehr unterschiedlich wirken.

Am Fenster oft ruhig und weich – wenn das Licht diffus ist. Fällt die Sonne direkt hinein, wird es deutlich härter.

Weiter im Raum wird das Licht gleichmäßiger.Die Unterschiede zwischen hell und dunkel werden kleiner.

Das Bild wirkt ruhiger, aber auch flacher.

Nicht, weil sich das Motiv verändert hat. Sondern weil sich das Licht verändert hat.


Und nun kommt die Steuerung der Belichtung

Bis jetzt ging es darum, wie verschiedene Lichtqualitäten wirken.

Jetzt geht es darum, wie die Kamera das einfallende Licht bewertet und das Bild entprechend belichten will.


Wie Kameras Licht bewerten

Eine Kamera geht davon aus, dass eine Szene im Durchschnitt weder sehr hell noch sehr dunkel ist. Also so etwas wie: ich versuche möglichst den langweiligsten Schnitt zu berechnen.

Sie orientiert sich also an einer Art Mitte.

In der Fotografie wird das oft als 18 % Grau bezeichnet.

Dieser Wert beschreibt die mittlere Helligkeit.

Einige Beispiele findest Du oben im Bild.


Was das im Alltag bedeutet

Die Kamera sucht immer diese Mitte.

Zum Beispiel bei:

– einem grauen Boden

– einer Steinwand

– einem Holztisch

– Kleidung in mittleren Farbtönen

Solche Motive kommen dem nahe, was die Kamera als „normal“ einstuft.

Oder wie ich sagen würde: laaaaangweilig.


Was dabei passiert

Sobald etwas davon abweicht, beginnt die Kamera auszugleichen.

Wenn du etwas Dunkles fotografierst:

Die Kamera macht es heller.

Zum Beispiel:

– dunkle Kleidung

– Schattenbereiche

– dunkle Möbel


Diese Motive verlieren schnell an Tiefe.


Wenn du etwas Helles fotografierst:

Die Kamera macht es dunkler.

Zum Beispiel:

– weiße Kleidung

– ein heller Raum

– Schnee


Diese Motive wirken oft grauer, als sie sind.


Ein einfaches Beispiel

Nimm ein weißes Blatt Papier und fotografiere es.

Danach nimm ein schwarzes Stück Papierund fotografiere es an der gleichen Stelle.


Was passiert

Das weiße Papier wirkt im Bild oft grauer.Das schwarze Papier wirkt heller.

Beide Bilder bewegen sich aufeinander zu.


Warum das so ist

Die Kamera erkennt nicht,dass etwas weiß oder schwarz ist.

Sie ist nicht so richtig klug, das musst Du für sie sein. Und das bist Du ja auch.

Sie versucht nur, alles in eine mittlere Helligkeit zu bringen.


Und trotzdem passiert es noch

Ja, Moderne Kameras sind heute deutlich schlauer.

Und meine Kameras müssen es sein, da ich ihnen viel abverlange und schnell

arbeiten muss, wenn sich das Licht stets verändert und dennoch brauche ich all mein

Wissen um ihnen konkret zu sagen, was sie denn tun soll.

Sie erkennen Gesichterund passen viele Dinge automatisch an.

Trotzdem bleibt diese Grundlage gleich:

Die Kamera sucht immer die Mitte.

Und genau deshalb entstehen diese Bilder.


Einfache Korrektur

Du musst dafür nichts kompliziert einstellen.

Oft reicht eine kleine Anpassung.

Wenn ein Motiv sehr hell ist→ etwas heller einstellen

Wenn ein Motiv sehr dunkel ist→ etwas dunkler einstellen


Am Beispiel iPhone

Tippe auf dem Bildschirm auf dein Motiv.

Ein kleines Quadrat erscheint.

Daneben siehst du ein Sonnensymbol.

Wenn du nach oben wischst,wird das Bild heller.

Wenn du nach unten wischst,wird es dunkler.

Schon kleine Veränderungen reichen oft aus.


Was du dir merken kannst

Die Kamera sucht immer eine mittlere Helligkeit.

Das funktioniert in vielen Situationen gut.

Aber nicht in allen.

Manchmal musst du eingreifen,

damit das Bild so wirkt, wie du es gesehen hast.


Wenn Licht von hinten kommt, also du schaust in Richtung Licht

Vielleicht ist dir das schon aufgefallen:

Du fotografierst ein Motiv vor einem hellen Fenster oder draußen gegen den Himmel.

Und plötzlich wirkt das eigentliche Motiv zu dunkel.


Warum das passiert

Die Kamera reagiert stark auf helle Bereiche.

Wenn im Hintergrund viel Licht ist, richtet sie sich danach.

Sie „denkt“, das Bild ist insgesamt zu hell und dunkelt es ab.

Das ist so ähnlich, wie unser Reflex, die Augen zusammenzukneifen, sobald wir in Richtung Sonne sehen.


Was dabei entsteht

Das, was eigentlich wichtig ist, wird dunkler.

Zum Beispiel:

– ein Gesicht vor einem Fenster– ein Kind draußen gegen den Himmel


Der entscheidende Punkt

Die Kamera weiß nicht, was für dich wichtig ist.

Sie reagiert auf das, was am hellsten ist.


Was du tun kannst

Wenn du auf dein Motiv tippst oder die Helligkeit leicht erhöhst,

veränderst du die Entscheidung der Kamera und machst Dein eigenes Ding. Fühlt sich gut an, oder?

Oft reicht schon eine kleine Anpassung, damit Du das Gesicht erkennen kannst.

Manchmal ist der Hintergrund dann reinweiß, aber ein erkennbares Lächeln ist mir auch lieber, als die Zeichnung in den Wolken.


Übung – Helligkeit bewusst steuern

Suche dir zwei Motive:

– etwas sehr Helles

– etwas sehr Dunkles


Fotografiere beide:

  1. einmal normal

  2. einmal etwas heller

  3. einmal etwas dunkler


Du kannst dafür zum Beispiel nehmen:

– Kleidung

– einen Tisch

– ein Blatt Papier

– einen Gegenstand im Raum


Beobachte

– Wann wirkt das helle Motiv wirklich hell?

– Wann wirkt das dunkle Motiv wirklich dunkel?

– Welche Einstellung kommt deinem Eindruck am nächsten?


Zeit für die Übung

Nimm dir wieder ein paar Tage Zeitund probiere bewusst aus, wie sich die Helligkeit verändern lässt.

Du wirst merken,dass du beginnst, Bilder aktiver zu steuern.

Der nächste Teil erscheint in etwa einer Woche.


Im nächsten Teil von Julianes Fotografie-Kurs

Im nächsten Artikel „Warum die Richtung des Lichts alles verändert“ schauen wir uns an, wie Licht von vorne, von der Seite oder von hinten, oben oder unten ein Bild beeinflusst.

Denn nicht nur die Helligkeit spielt eine Rolle, sondern auch, aus welcher Richtung das Licht kommt.

Gerade bei Gegenlicht entstehen oft Situationen,in denen die Kamera anders reagiert als erwartet.

Wenn man versteht, wie man Licht einsetzen kann, beginnt man bewusster zu sehen –und kann Bilder gezielter gestalten.


Julianes Fotografie-Kurs


Teil 2 – Warum Kameras manchmal falsch belichten



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